Tränen rollen mir seit Stunden über die Wangen, als gehörten sie inzwischen einfach zu meinem Alltag. Manche verirren sich in das Dickicht meines Barts, verstecken sich dort zwischen Haut und meinem gespielten Lachen. Ich funktioniere, mal wieder. Doch jetzt verlieren meine Lippen ihr Lächeln nach und nach. Sie sind nur noch ein dünner, bläulicher Strich in meinem Gesicht. Fast stumm. Nur das Schluchzen, das unaufhörlich aus dieser ungeraden Linie in die Welt dringt, verrät, dass sie existiert. Ich konzentriere mich darauf, nicht wieder auf dem Boden zu landen, die Hände vor dem Gesicht, als müsste ich meine Tränen vor jemandem verstecken, mein aufgewühltes Atmen mit aller Kraft ruhig aussehen lassen. Dabei ist niemand hier.
„Eine neue Benachrichtigung“, tönt die Stimme aus dem Regal im Flur.
„Halt die Fresse, Alexa!“
Ich reiße das Ding aus dem Regal und werfe es mit der ganzen Wut, die in mir brennt, gegen die Wand. Es zerbricht. Und für einen kurzen, erbärmlichen Moment fühlt es sich gut an. Fast wie Erleichterung. Als hätte ich endlich einen Weg gefunden, die Tränen einzusperren. Aber ich weiß, dass dieser Weg mir nur schadet, auch wenn in jedem Raum noch weitere solcher Geräte auf mich warten würden. Was soll dieses seltsame Gefühl in mir? Wie ein Stück Papier, das ich in immer kleinere Fetzen zerreiße und dabei versuche, die Geschichte zu lesen.
Es war. Gut bis. Nachricht. Stille. Lachten wir. Krankenhaus. Bis morgen dann.
Immer wieder lese ich die Papierstücke in Gedanken. Ein seltsames Gefühl, sich Tag für Tag auf das Morgen zu freuen. Mit Vorfreude auf alles zu blicken, was vor einem liegt. Nach all den bitteren Zitronen, die in den letzten Wochen durch mein Leben gerollt sind, scheint das Universum vorzuhaben, mir weitere in mein Leben zu werfen. Doch sie liegen nicht mehr einzeln verstreut auf meinem Weg, sondern wie eine leise Erinnerung an alte Stürze am Rand meines Weges, ein stilles Echo auf etwas, das mich schon einmal aus der Bahn geworfen hat, während ich mich kaum noch nach vorn bewege.
Wie ein zitterndes Insekt in einem Spinnennetz, festgeklebt im Hier und Heute, zappele ich und sehne mich zurück. Zurück in den Morgen von gestern. Zu dem Moment, in dem noch alles irgendwie in Ordnung war. Nicht gut, aber aushaltbar. Ein Augenblick voller Sorgen, aber keiner aus Milliarden Tränen. Meine Knie fühlen sich weich an wie nasser Karton, beschriftet mit dem Wort Ungewissheit, und ziehen mich langsam, unaufhaltsam, nach unten. Gedanken weben sich durch meinen Kopf, bis ein Stück Stoff aus schwarzer Farbe alles verhüllt. Ich kann nicht mehr klar denken, doch ich denke an dich. Du schaffst das!





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