Es gibt Tage die mit Sonnenschein beginnen, sanft und ruhig, mit einem heißen Kaffee im Bett. Die Art von Morgen, die beinahe zu friedlich wirken, als würden sie ein Geheimnis in sich tragen. Das Licht tastet sich vorsichtig an den Rändern des Zimmers entlang, als wolle es nichts erschrecken. Und während meine Lippen den ersten Schluck vom Kaffee nehmen, entsteht dieses zarte, kaum hörbare Gefühl, dass vielleicht doch alles einen Sinn hat – oder zumindest ein Rhythmus, der mich trägt. Doch noch während der leicht muffige, nach Zedernholz riechende Duft aus der Kaffeetasse den Raum erfüllt, beginnt sich etwas zu verschieben. Nicht sichtbar, eher wie ein leises Ziehen unter der Haut. Die Sonne verliert ihre Farbe, so schleichend, dass man es fast übersieht. Dieses kleine, instabile Gleichgewicht, das ich für einen Moment für Stabilität gehalten hatte, kippt. Und bevor ich den Gedanken ganz fassen kann, fällt bitterlicher Regen. Der Tag ist, nach nur wenigen Herzschlägen, in Dunkelheit gehüllt. Tränen mischen sich mit dem Regen, dem mein leerer Blick draußen vor dem Fenster folgt. So fühlt es sich wohl an, wenn das Leben einem Zitronen gibt. Schade nur, wenn man sie nicht mag. Fragen, auf die ich jetzt in diesem Moment keine Antwort habe, zerschlagen die fein gebogene Linie in meinem Gesicht, biegen sie zu einer geraden Linie, die sich im Dickicht meines Barts versteckt. Und während ich innerlich noch versuche, mich irgendwo festzuhalten, passiert das, was ich längst kommen sehen habe. Denn eine Zitrone kommt selten allein. Manchmal rollen sie gleich im Dutzend heran, kullern ungefragt über den Boden des eigenen Lebens und lassen sich genau dort nieder, wo man eigentlich Platz für etwas anderes gelassen hatte. Pläne vielleicht. Sehnsüchte. Ein bisschen Hoffnung. Es ist erstaunlich, wie schnell Dinge, die eben noch sicher schienen, zu etwas Fragilem werden können. Alles bekommt Risse, feine Linien, die sich ausbreiten wie splitterndes Glas. Ich sitze stumm auf meinem Bett und sehe diesem gelben Obst zu, als hätte jemand entschieden, meinen Boden in einen Obstkorb zu verwandeln. Jede einzelne Zitrone trifft etwas in mir, das schon wund ist. Erinnert mich an Sachen, die ich eigentlich nicht denken wollte, und an Tage, die ich lieber für immer verschlossen gehalten hätte. Plötzlich ist alles offen, verletzlich, ungeschützt. So sieht er also aus, dieser berühmte Moment, in dem man angeblich Stärke zeigt. Er fühlt sich nicht stark an. Er fühlt sich an wie ein dünner Faden, der zwischen zwei Fingern gespannt ist, kurz vorm Reißen. Es gibt diese merkwürdige Stille, die zwischen den Pulsschlägen hängt. Die schwere Luft im Raum hält den Atem an, und ich gleich mit. Ich versuche, den Zitronen einen Sinn abzuringen, doch sie starren nur stumm zurück. Kein Flüstern, kein Hinweis, nur stilles, gelbes Unheil. Vielleicht soll es so sein. Vielleicht ist das Leben manchmal nicht mehr als ein Teller voller Dinge, die man nie bestellt hat und trotzdem zahlen muss. Und vielleicht gibt es Momente, in denen man nichts weiter tun kann, als es auszuhalten – nicht tapfer, nicht schön, einfach nur irgendwie. Für einen Augenblick denke ich, die Zitronen würden bleiben, bis ich mich in ihre Farbe füge. Doch während ich sie betrachte, bemerke ich ein Detail, dem ich vorher keine Beachtung geschenkt habe. Kein Trost, nichts Erhellendes – eher ein kleines, trotziges Detail. Auch Zitronen verlieren irgendwann ihren Glanz, wenn man sie lange genug liegen lässt. Ihre Haut wirft Falten, das Gelb wird stumpfer, die Schale weicher. Es ist kein Zeichen für Hoffnung. Vielleicht nur dafür, dass selbst das Bitterste nicht ewig so sauer bleibt. Und dieser Gedanke, unfertig und still, reicht aus, um mich einen Moment länger aufrecht sitzen zu lassen.





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